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Was ist ein Charcot-Fuß? Wie Sie das Problem im Frühstadium erkennen

20. März 2025

Was ist ein Charcot-Fuß? Definition und Einführung

Definition

Der Charcot-Fuß ist eine schwerwiegende Gelenkerkrankung. Sie entsteht als  eine neurologische Komplikation von peripherer Neuropathie. Am häufigsten davon betroffen sind Menschen mit Diabetes mellitus.

Das Hauptproblem ist, dass bei einer Charcot-Erkrankung das Schmerzempfinden im Fuß außer Kraft gesetzt ist. Dadurch werden Belastungen und Verletzungen nicht mehr wahrgenommen und das Gelenk wird über die Zeit überlastet und beschädigt.

Beim Charcot-Fuß verändern sich fortschreitend die Fußknochen, Gelenke und Weichteile. Diese seltene, aber gefährliche Erkrankung kann zu erheblichen Schäden und Einschränkungen der Funktion führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Geschichte und Entdeckung

Der Charcot-Fuß ist nach dem französischen Neurologen Jean-Martin Charcot benannt, der 1868 die Erkrankung bei Patienten mit fortgeschrittener Syphilis dokumentierte. Heute wird die Erkrankung hauptsächlich mit diabetischer Neuropathie in Verbindung gebracht.

Was sind die Ursachen eines Charcot-Fußes?

Der Charcot-Fuß entwickelt sich primär durch eine Nervenschädigung (Neuropathie), die zu verschiedenen Problemen führt. Diese können im Zusammenspiel eine Charcot-Erkrankung verursachen. 

Wahrnehmung und neurologische Faktoren

  • Vollständiger Verlust des Schmerzempfindens
  • Beeinträchtigte propriozeptive Wahrnehmung (= das Gespür für die Position eigener Körperteile im Raum) 
  • Reduzierte Muskelreflexe
  • Gestörte Temperatur- und Berührungswahrnehmung
     

Veränderungen der Durchblutung

  • Erhöhte lokale Durchblutung
  • Beschleunigte Knochenresorption
  • Verstärkte inflammatorische Reaktionen
  • Veränderte Knochenstoffwechselprozesse
     

Trauma und Belastungen

  • Wiederholte Mikrotraumata (= kleine, oft unbemerkte Gewebeverletzungen) 
  • Unerkannte Gelenkbelastungen
  • Veränderte Lastverteilung
  • Strukturelle Instabilität des Fußes
     
Sie haben Fragen zum Thema Charcot-Fuß oder Diabetes im Allgemeinen? Gesundheits-Experten und -Expertinnen aus Ihrer Region beraten Sie gerne. Hier gelangen Sie zur Expertensuche.

Charcot-Fuß im Frühstadium: Wie Sie die Krankheit erkennen

Risikofaktoren

Wenn Sie zu einer der folgenden Gruppen gehören, haben Sie ein erhöhtes Risiko, von einem Charcot-Fuß betroffen zu sein. Seien Sie dann besonders wachsam und erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt oder in der Apotheke nach Tipps zur Vorsorge.

Risikogruppen: 

  • Diabetes-Patienten mit langjähriger Erkrankung
  • Personen mit fortgeschrittener Neuropathie
  • Patienten mit schlecht eingestelltem Blutzucker
  • Menschen mit autonomer Neuropathie
  • Alkoholkranke Menschen mit neurologischen Schädigungen
     

Warnsignale und Erkennungszeichen im Frühstadium

Ein typisches frühes Zeichen eines Charcot-Fußes ist eine unerklärliche Rötung, die nicht mit einer offensichtlichen Verletzung zusammenhängt. Schmerzlose Schwellungen und leichte, kaum sichtbare Formveränderungen können hinzukommen, zum Beispiel:

  • Veränderte Gelenkstellung
  • Deformierung der Fußknochen
     

Möglicherweise fühlt sich der Fuß sehr warm an, deutlich wärmer als der andere Fuß. Außerdem können im Frühstadium unerklärliche Veränderungen beim Geh-Gefühl auftreten (biomechanische Veränderungen), wie zum Beispiel:

  • Druckstellen und verändertes Gangbild durch ungleichmäßige Druckverteilung auf dem Fuß 
  • Schnellere Ermüdung und weniger Flexibilität
     


Bild: Charcot-Fuß vom Typ 1. 
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Charcot-Fu%C3%9F#/media/Datei:Charcot_foot_active_stage.jpg von Nutzer Radschläger13
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wie wird ein Charcot-Fuß festgestellt? 

Verfahren zur Diagnose

Wenn bei Ihnen ein Verdacht auf einen Charcot-Fuß besteht, haben Ärzte mehrere diagnostische Untersuchungen zur Verfügung: 

  • In einem Gespräch werden Ihre Beschwerden eingeordnet und Hintergrund wie Schuhwerk, mögliche Diabeteserkrankung und Alltag abgefragt.
  • Bei einer körperlichen Untersuchung wird die Temperatur gemessen und der Fuß auf Rötungen, Verformungen und Schwellungen geprüft. 
  • Neurologisch wird speziell das Schmerzempfinden und die Reflexe getestet. 
  • Die Durchblutung und Sauerstoffversorgung wird untersucht. 
  • Möglicherweise wird ein bildgebendes Verfahren angewendet, zum Beispiel ein Röntgen, ein MRT oder eine Computertomographie. Damit können Veränderungen am Knochen bzw. beim MRT auch des Weichgewebes genauer untersucht werden.
     

Weitere spezielle Diagnoseverfahren sind die Szintigraphie und eine Druckmessung. Eine Szintigraphie ist eine spezielle Knochenscan-Untersuchung, die Entzündungen erkennen und den Knochenstoffwechsel aufzeigen kann. Bei der Druckmessung wird die Druckverteilung auf die Füße beim Gehen gemessen, was Fehlbelastungen aufzeigen kann.

Keine dieser Untersuchungen ist schmerzhaft. Informieren Sie immer über alle Ihre Beschwerden und legen Sie ehrlich bestehende Erkrankungen dar. Verlassen Sie sich bei Verdacht auf einen Charcot-Fuß nicht auf Online-Quellen, sondern suchen Sie zeitnah einen Facharzt auf: Frühes Eingreifen ist wichtig, um schlimmere Schäden zu verhindern.


Bild: Röntgenbilder eines Charcot-Fußes zeigen den Fortschritt der Krankheit. Im rechten Bild ist noch mehr Deformierung der Mittelfuß-Gelenke erkennbar. 
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Charcot-Fu%C3%9F#/media/Datei:Charcotfuss.jpg 
von Nutzer Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Charcot-Fuß-Klassifikation nach Sanders

Bei einem festgestellten Charcot-Fuß wird der Schweregrad beziehungsweise das Stadium mithilfe von meist einem dieser beiden Klassifikationssysteme eingeordnet: 

  • Sanders-Klassifikation
  • Eichenholtz-Stadien
     

Durch die Klassifizierung kann eine effektive Therapie geplant werden. Bei der Sanders-Klassifikation wird der Schweregrad und die Art der Charcot-Erkrankung in Form von Typen angegeben: 

  • Typ 0: Noch nicht auf einem Röntgen-Bild erkennbar, keine Knochenveränderungen, nur Rötung und/oder Schwellung
  • Typ 1: Die Zehen und der vordere Fuß sind betroffen (meist bei Diabetes mit Neuropathie), geringes Risiko für Komplikationen
  • Typ 2: Veränderungen im Mittelfußbereich, kann schnell fortschreiten und hat ein höheres Risiko für Deformationen 
  • Typ 3: Schwerste Form mit dem höchsten Risiko für Funktionsverlust, betrifft Fersenbein und Sprunggelenk – hier ist oft eine Operation notwendig 
  • Typ 4: Kombinierte Formen, bei denen mehrere Fußbereiche gleichzeitig betroffen sind
     

Behandlungsoptionen bei Charcot-Fuß

Konservative Behandlungsmöglichkeiten 

Der Fuß wird komplett entlastet und nicht bewegt. Wunden werden behandelt und regelmäßige medizinische Kontrollen sind wichtig. 

Orthopädische Hilfsmittel (Schuhe bei Charcot-Fuß)

Speziell angepasste Schuhe spielen eine entscheidende Rolle:

  • Druckentlastende Einlagen 
  • Steife Sohlen zur Stabilisierung
  • Extra nach Maß angefertigte, entlastende Schuhe für den individuellen Fuß 
  • Entlastungsschienen 
  • Korrigierende Fußorthesen
     

Chirurgische Optionen

In schwerwiegenderen Fällen kann eine Operation helfen, Fehlstellungen zu korrigieren und Gelenke zu stabilisieren. Beispiele sind verschiedene rekonstruktive Eingriffe und Sehnentransfers. 

Einflüsse von Lebensstil und Vorsorge 

Ernährungsempfehlungen

Eine gezielte Ernährung kann den Heilungsprozess unterstützen:

  • Der Blutzuckerwert sollte konsequent unter Kontrolle gehalten werden. 
  • Proteinreiche Ernährung
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Verzehr von entzündungshemmenden Lebensmitteln
     

Was Sie zur Vorbeugung tun können 

Neben einer optimalen Blutzuckereinstellung und dem Vermeiden von Verletzungen am Fuß können Sie täglich Ihre Füße selbst untersuchen. Durch die Routine fallen Ihnen Veränderungen frühzeitig auf. Wenn Sie regelmäßig zu einer professionellen Fußpflege gehen, haben Sie dort noch eine weitere Umgebung, in der Veränderungen auffallen können. Achten Sie außerdem auf das Tragen geeigneter Schuhe.

Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind besonders bei chronischen Erkrankungen unerlässlich und der beste Weg, Komplikationen frühzeitig zu entdecken und entgegenzuwirken.

Arbeitsunfähigkeit und Behinderungsgrad bei Charcot-Fuß 

Der Charcot-Fuß kann, je nach Beruf, erhebliche Auswirkungen auf Ihre Arbeitsfähigkeit haben. Möglicherweise können Sie mit Ihrem Arbeitgeber organisatorische oder technische Maßnahmen ergreifen: 

  • Ergonomischer Arbeitsplatz
  • Spezielle Sitzmöglichkeiten und Hilfsmittel
  • Flexible Arbeitszeiten oder Teilzeit
  • Angepasste Aufgabenbereiche
  • Home Office
     

Es ist möglich, dass ein Charcot-Fuß als Behinderung eingestuft wird. Der Grad der Behinderung (GdB) hängt davon ab, wie sehr Sie im Alltag in der Funktion eingeschränkt sind, zum Beispiel: 

  • Inwieweit ist die Gehfähigkeit eingeschränkt? 
  • Brauchen Sie Hilfsmittel? 
  • Schmerzniveau
  • Ausmaß von Deformationen am Fuß 
  • Begleiterkrankungen
     

Jeder Fall ist individuell. Nehmen Sie professionelle Beratung durch Sozialrechtsexpert:innen in Anspruch, um Ihre Rechte zu kennen und durchzusetzen. Dokumentieren und sammeln Sie alle medizinischen Befunde und Einschränkungen sorgfältig!

Fazit und Anlaufstellen 

Der Charcot-Fuß ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die frühzeitige Aufmerksamkeit und professionelle Behandlung erfordert. Mit dem richtigen Wissen und einem proaktiven Ansatz können Betroffene ihre Lebensqualität erhalten und Komplikationen minimieren.

Organisationen, an die Sie sich zum Thema Charcot-Fuß wenden können: 

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht oder Beschwerden konsultieren Sie immer eine Ärztin, einen Arzt oder fragen in Ihrer Apotheke nach.

 

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